Verein für rechtsvergleichendes Grundbuch- und Hypothekenrecht e.V."
|Home|  |Working program|  |Glossar|  |Contact|

 
 
 

IPR-Struktur mit Beispielen

 

I. Grundstruktur

 

Qualifikation[1]

Anknüpfung[2]

Rechtsfolge[3]

Eingriffsnorm[4]

Rechtsfolge[5]

Dingliches Recht

Belegenheit

Lex rei sitae

 

 

Schuldrechtlicher Vertrag

a) Rechtswahl

b) engste Beziehung der vertragcharakteristischen Leistung

c) andere enge Beziehung

d) Sonderanknüpfung, z.B. Verbraucher

a) gewähltes Recht

b) Sitz der Partei, die die vertragcharakteristische Leistung erbringt

c) z.B. Hypothek

d) Verbrauchersitz

a) Rechtswahlverbot

b) Ordre public

c) Ordre public

a) dann b) bis c)

b) lex fori, Verbraucherrecht

c) lex fori, Verbraucherrecht

Ausservertragliche Ansprüche

 

 

 

 

a) Delikt

Tatort, Erfolgsort

Tatortrecht, Erfolgsortrecht

Gemeinsame Staatsangehörigkeit; gemeinsamer Aufenthalt

Aufenthalts- oder Staatsangehörigkeitsrecht

b) Quasi-Verträge

a) Vornahmeort

b) betroffenes Rechtsverhältnis

a) Recht am Vornahmeort

b) z.B. Vertragstatut bei Tilgung fremder Verbindlichkeit

 

 

c) ungerechtfertigte Bereicherung

a) Rechtsverhältnis, auf das die Leistung bezogen ist

b) geschütztes Interesse

c) Erfolgsort

a) z.B. Vertragsstatut, bei Leistung auf nichtigen Vertrag

b) z.B. Eigentum (also lex rei sitae)

c) Recht am Erfolgsort

 

 

 

 

 

 

 

 


II. Beispiele (deutsches IPR=Römisches SchuldvertragsR)

 

1. Keine Rechtswahl

 

Fall

Qualifikation

Anknüpfungspunkt

Rechtsfolge

Eingriffsnorm

Rechtsfolge

Darlehensvertrag

Schuldrechtlicher Vertrag

Sitz der Bank

Bankrecht

 

 

Hypothekarkredit

Schuldrechtlicher Vertrag mit Sonderanknüpfung

Belegenheit der Hypothek

Lex rei sitae

 

 

Hypothekarkredit mit Verbraucher[6]

Dto.

Dto.

Dto.

Zwingende Bestimmungen lex fori[7]

HaustürwiderrufsG, VerbraucherkG, § 609 a BGB

Bürgschaft

Schuldrechtl. Vertrag

Aufenthaltsort des Bürgen[8]

Sitzrecht des Bürgen

 

 

Hypothek, Grundschuld

Dingliches Recht

Grundstücksbelegenheit

Lex rei sitae

 

 

Privileg (Frankreich)

Schuldrechtlicher Charakter

Vertragsstatut

Vertragsstatut

 

 

Bauhandwerkersicherungs

hypothek

Anspruch aus Bauvertrag

Vertragsstatut

Vertragsstatut

 

 

 

2. Rechtswahl

 

Fall

Qualifikation

Anknüpfungspunkt

Rechtsfolge

Eingriffsnorm

Rechtsfolge

Darlehensvertrag

Schuldrechtlicher Vertrag

Parteivereinbarung

Parteiwille

Art. 27 III, 34 EGBGB

Lex fori, soweit zwingend

Hypothekarkredit

Schuldrechtlicher Vertrag mit Sonderanknüpfung

Parteivereinbarung

Parteiwille

Art. 27 III, 34 EGBGB

Lex fori, soweit zwingend

Hypothekarkredit mit Verbraucher[9]

Dto.

Parteivereinbarung

Parteiwille

Art. 27 III, 34 EGBGB

Lex fori, soweit zwingend

 

III. Rechtsquellen

 

1. Römisches EWG-Übereinkommen über das auf vertragliche Schuldverhältnisse anwendbare Recht

 

Mitgliedsstaaten:

Belgien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Italien, Luxemburg, Vereinigtes Königreich, Niederlande, Irland, Portugal, Spanien, Österreich, Schweden, Finnland

 

2. Nationales IPR

 

Land

Kodifiktion

Sonderregeln

Belgien

EVÜ

Art. 77 loi hypothécaire

Deutschland

Weitgehend/EVÜ

EGBGB

Frankreich

EVÜ

Art. 2128 Code Civil

Italien

EVÜ/weitgehend

IPR-Gesetz

Irland

EVÜ

 

UK

EVÜ

 

Schweden

EVÜ

 

Finnland

EVÜ

 

Dänemark

EVÜ

 

Österreich

EVÜ/weitgehend

IPR-Gesetz

Luxemburg

EVÜ

 

Niederlande

EVÜ

 

Spanien

EVÜ

Codigo Civil

Portugal

EVÜ

 

Griechenland

EVÜ

 

Québec

Ja

Code Civil

 


 

Regelungsüberblick für Immobilienfinanzierungen

 

Land

Lex situs

Rechtswahlfreiheit

Charakteristische Leistung

Strenger Verbraucherschutz (Ordre public)

Belgien

Ja

Ja

Ja

Ja

Deutschland

Ja

Ja

Ja

Nein

Frankreich

Ja

Ja

Ja

Ja

Italien

Ja

Ja

Ja

 

Irland

Ja

Ja

Ja

 

UK

Ja

Ja

Ja

Nein[10]

Schweden

Ja

Ja

Ja

 

Finnland

Ja

Ja

Ja

 

Dänemark

Ja

Ja

Ja

 

Österreich

Ja

Ja

Ja

 

Luxemburg

Ja

Ja

Ja

 

Niederlande

Ja

Ja

Ja

 

Spanien

Ja

Ja

Ja

 

Portugal

Ja

Ja

Ja

 

Griechenland

Ja

Ja

Ja

 

Québec

Ja

Ja

 

 

 

 

 



[1] Möglichkeiten:

nach der lex fori

nach der lex cause

IPR-Qualifikation

Rechtsvergleichende Qualifikation

[2] je nach IPR des angerufenen Gerichts unterschiedlich, vgl. aber Art. 4 ff. EVÜ

[3] je nach IPR des angerufenen Gerichts unterschiedlich, vgl. aber Art. 4 ff. EVÜ

[4] je nach IPR des angerufenen Gerichts unterschiedlich, vgl. aber Art. 4 ff. EVÜ

[5] je nach IPR des angerufenen Gerichts unterschiedlich, vgl. aber Art. 4 ff. EVÜ

[6] Art. 29 EGBGB (=Art. 5 EVÜ) findet keine Anwendung (MüKo/Martiny, BGB, Art, 29 EGBGB Rn. 12)

[7] Art. 7 I Römisches Schuldvertragsübereinkommen findet keine Anwendung=è Eingriffsnormen ausl. Rechtsordnungen sind grundsätzlich unbeachtlich, Ausnahme: § 138 BGB (z.B. Verstoß gegen ausländische DevisenG)

[8] Nach deutschem IPR wird die Bürgschaft selbständig angeknüpft. Maßgeblich ist die vertragscharakteristische Leistung (BGH NJW 1999, 2373); anders z.B. Frankreich, wo die Bürgschaft unselbständig angeknüpft wird. Maßgeblich ist dort das Vertragsstatut der Hauptforderung, für die gebürgt wird.

[9] Art. 29 EGBGB findet keine Anwendung (MüKo/Martiny, BGB, Art, 29 EGBGB Rn. 12)

[10] Shrinchand & Co. v. Lacon (1906) 22 TLR 245; Morris, Conflicts of Law, 5 ed., 50; Cheshire & North´s, Private International Law, 11 ed., 484







powered by Berliner-Kanzleien and www4jur